Neubau Multifunktionshalle Oensingen Neubau Multifunktionshalle Oensingen

Neubau Multifunktionshalle Oensingen

02.09.2016

Das Bauwerk vermittelt Ruhe, Klarheit und Grosszügigkeit.

 

Die Oensinger Sportvereine und die Kreisschule Bechburg haben mit dem Sportzentrum Bechburg eine neue Multifunktionshalle erhalten. Der Neubau in Sichtbeton besticht durch wenige sehr grosse Fenster und durch die reliefartig platzierten Schrägen bei den Laibungen und im Eingangsbereich. Das Bauwerk vermittelt Ruhe, Klarheit und Grosszügigkeit.

Die neue Halle orientiert sich bezüglich Lage und Gebäudehöhe an der bestehenden Schulanlage und ist daher rund 3,5 m tief ins Terrain eingegraben. So wirkt sie von aussen als eingeschossiger Bau, den man ebenerdig und direkt auf der Galerie vor der Zuschauertribüne betritt. Zur Halle mit Garderoben und Duschen führen auf der Seite eine Tür und ein Treppenabgang. Dadurch werden Sportler- und Besucherströme getrennt und behindern sich nicht gegenseitig.

Auf die Forderungen der Einwohnergemeinde nach Funktionalität und Wirtschaftlichkeit reagierten die Planer mit einem durchdachten Farbkonzept und beschränkten sich auf das strikt Notwendige. Verkleidungen finden sich nur, wo es sie funktional braucht. Sonst treten die Materialien direkt in Erscheinung, etwa durch die mächtigen Betonwände oder die überspannende Stahlkonstruktion des Dachs.

Unkonventionelle Lösung

Die Reduktion auf wenige Materialien verlangte konsequenterweise eine Gebäudehülle aus einem einzigen Baustoff. Bei der Planung zeigte sich, dass eine zweischalige konventionelle Betonwandkonstruktion mit Kerndämmung und eine durchgehende Dämmbetonkonstruktion ungefähr gleich teuer werden. Die Wahl fiel deshalb auf die unkonventionellere Lösung mit Dämmbeton.

Im Betonwerk wurde durch das ausführende Unternehmerteam vorab eine Versuchswand erstellt. Dies zum einen, um die Qualität des Sichtbetons beurteilen zu können und die Betonrezeptur zu testen, zum andern, um eine Referenzfläche zu schaffen.

Dämmbeton weist gegenüber einem konventionellen Beton einen bedeutend höheren Anteil an Lunkern auf und ist rissanfälliger, da das Schwindmass grösser ist. Mit einer feinmaschigen Bewehrung auf der Aussenseite wurde dem höheren Schwindmass des Dämmbetons Rechnung getragen. Gewählt wurde SWISS STEEL Top 12, ein Betonstahl mit erhöhtem Korrosionswiderstand.

Die Bewehrung auf der Wandinnenseite wurde auf die Tragsicherheit hin ausgelegt. Da Dämmbeton durch seinen hohen Anteil an Poren eine relativ geringe Druckfestigkeit aufweist, wurden die Bauteilabmessungen und die Wandstärken dementsprechend gewählt (und angepasst).

Eine einfeldrige Stahlkonstruktion aus Blechträgern überspannt die gesamte Halle. Speziell entwickelte Details gewährleisten eine den Druckfestigkeiten entsprechende Einleitung der doch sehr hohen und konzentrierten Kr äfte in die Wände. In Querrichtung sorgen gabelgelagerte Kipphalterungen für die notwendige Stabilisierung der Dachkonstruktion. Der poröse Baustoff verlangt zudem eine Tiefenhydrophobierung der Aussenfläche. Deshalb erhielt die neue Halle noch einen vollflächigen Graffitischutz.

Statisch und ästhetisch überzeugend

Was erstaunt: Der Neubau hat eine hohe und gleichmässige Qualität der Sichtflächen. Trotz Betonieretappen von bis zu 6,5 m Höhe traten keine Kiesnester auf. Dies ist aussergewöhnlich und insbesondere dem Einsatz des Bauunternehmers zu verdanken.

Dämmbeton zeigt sich bei diesem Objekt bauphysikalisch, statisch und ästhetisch als überzeugender Baustoff. Dabei wird auch der Minergie-Nachweis am Gesamtgebäude erbracht. Der monolithische Körper ist von beeindruckender, ruhiger Schönheit.