Glasfassade Helvetia Tower Pratteln Glasfassade Helvetia Tower Pratteln

Glasfassade Helvetia Tower Pratteln

01.02.2016

Transparenz und Leichtigkeit dank dem Know-how von BSB + Partner.

 

Der Helvetia Tower ist das Markenzeichen der neuen Wohnüberbauung «Vierfeld» 4F in Pratteln.

Am 24. Juni 2013 wurde mit dem Rohbau des 24-stöckigen und gesamthaft 75 m hohen Gebäudes begonnen. Im Zehn-Tages-Takt wurden die Rohbauarbeiten vorangetrieben und am 10. Dezember 2014 abgeschlossen. Aussergewöhnlich war, dass die gesamte Nordfassade nicht mit einem konventionellen Gerüst, sondern mit sogenannten Mastkletterbühnen erbaut wurde. Das heisst, die benötigten Podeste wurden auf jeder Etage mitgezogen. Die Mastkletterbühnen werden zudem für die nun anzubringende hinterlüftete Glasfassade benötigt.

BSB + Partner zeichnet für die statischen Belange der hinterlüfteten Glasfassaden auf der Nord- und der Südseite verantwortlich. Die ausführende Firma Dial Norm mit Hauptsitz in Kirchberg hat uns mit den Berechnungen der Unterkonstruktion in Aluminium sowie der statischen Überprüfung der Glasfronten beauftragt.

Windsog und -druck, Temperaturdifferenzen und diverse weitere Witterungseinflüsse beanspruchen die Fassade auf 75 m Höhe.

Im Speziellen soll auf die Besonderheiten der Windeinwirkungen eingegangen werden, die in der SIA-Norm 261 definiert sind. Sämtliche Berechnungen beziehen sich auf den Staudruck qP bzw. den Referenzwert des Staudrucks. Dieser ist in der Windkarte der SIA 261 festgehalten.

Beim Wert qP0 handelt es sich um die ermittelte Geschwindigkeit einer gemessenen, kurzfristig wirkenden Spitzenböe. Statistisch betrachtet entspricht der anzurechnende Staudruck der SIA 261 einem 50-Jahres-Wind, also der Kraft eines Windes, der eine Wiederkehrperiode von 50 Jahren hat.

Dieser Grundwert wird mit diversen Faktoren hochgerechnet, um die objektspezifischen Gegebenheiten wie Gebäudeabmessungen (B × H × L), Umgebung (Seeufer, grosse Ebene, Stadtgebiet) sowie die Gebäudehöhe zu berücksichtigen. Dabei handelt es sich um sogenannte Spitzenwerte. Parameter wie Oberfläche oder Systemart der Fassade (offen oder geschlossen) werden in der SIA-Norm jedoch nicht berücksichtigt.

Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, hat der SIA die Dokumentation D 188 herausgegeben. Diese Dokumentation soll eine Vertiefung in die ganze Thematik «Winde und deren Entstehung» ermöglichen. Der Helvetia Tower weist nord- und südseitig eine hinterlüftete Glasfassade auf. Gemäss SIA 261 muss man auf einer Höhe von 75 m einen Winddruck von 1,99 kN/m2 beziehungsweise einen Windsog von –2,08 kN/m anrechnen.

D 188 präzisiert die Annahmen der Windlasten. Beispiel: Hinterlüftete Glasfassaden, deren Oberflächen eine sehr geringe Porosität aufweisen, deren Innenschalen dicht sind und bei denen der lichte Abstand der einzelnen Schalen weniger als 10 cm beträgt, dürfen reduziert werden. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass der Druck auf zwei Drittel und der Windsog auf ein Drittel reduziert werden dürfen. Umgerechnet auf unsere Tragkonstruktion hat dies eine merkliche Reduktion der Querschnitte sowie des Materialverbrauchs zur Folge. Für die Fassade selbst wie auch für die Dämmung sind die Grundwerte anzuwenden.

Fazit: Es lohnt sich für uns und insbesondere auch für den Bauherrn und Auftraggeber, sich stets möglichst tief in die Materie einzuarbeiten und die Normen mit all ihren Ausnahmen und weiterführenden Merkblättern und Dokumentationen zu studieren und anzuwenden.