Bodenkundliche Baubegleitung Bodenkundliche Baubegleitung

Bodenkundliche Baubegleitung

11.05.2016

Nachhaltigkeit fängt beim Boden an!

 

Bodenkundliche Baubegleitung
Wo gebaut wird, da fahren Baumaschinen auf und Erde wird verschoben. Um sicherzustellen, dass dabei die Böden nicht beschädigt werden und ihre Fruchtbarkeit erhalten bleibt, wird deshalb bei größeren bodenrelevanten Bauprojekten der klassischen Bauleitung seit rund 15 Jahren eine ausgebildete Fachperson der bodenkundlichen Baubegleitung (BBB) zur Seite gestellt. Diese berät die Baufachleute im Umgang mit den Böden auf der Baustelle.

Eine gesetzliche Grundlage für den Bodenschutz gibt es in der Schweiz seit dem Umweltschutzgesetz von 1983. Ziel des Bodenschutzes ist es, den Boden vor negativen Veränderungen zu schützen und so seine wesentlichen Funktionen zu erhalten. Eine der wichtigsten Aufgaben dabei ist der Erhalt der Bodenstruktur.

Bodenstruktur
Als Bodenstruktur bezeichnet man die Anordnung der festen Bodenteilchen und den Hohlraum dazwischen. Diese Hohlräume, die sogenannten Poren, sind gleichzeitig Transportbahnen und Speicherraum für Luft, Wasser und Nährstoffe und bieten Platz für Wurzeln und Bodentiere. Die Grösse und die Durchgängigkeit dieses Hohlraums unterliegen einem ständigen Wandel. Strukturbildend und damit positiv für den Boden sind z.B. Frost, Trockenheit, gute Durchwurzelung oder die Aktivität der Bodenlebewesen. Negative Einflüsse auf den Boden haben z.B. Starkniederschläge oder das Befahren und Bearbeiten des Bodens, insbesondere bei nassen Verhältnissen. So werden beim Befahren von nassen Böden die Hohlräume zerstört und der Boden somit verdichtet. Eine Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit von verdichtetem Boden kann Jahrzehnte dauern.

Aufgaben der bodenkundlichen Baubegleitung
Die bodenkundliche Baubegleitung erstellt ein Bodenschutzkonzept, in welchem sie den vorhandenen Boden insbesondere auf seine Verdichtungsempfindlichkeit hin beschreibt. Ebenfalls werden die Massnahmen zum Schutz des Bodens festgehalten. Solche Massnahmen sind z.B.

  • Keine bodenrelevanen Bauarbeiten bei zu nassen Bodenverhältnissen
  • Kein Befahren von natürlich gewachsenem Boden mit Pneufahrzeugen ohne Baupiste
  • Angaben zur Dimension und Materialbeschaffenheit von Baupisten und Installationsplätzen
  • Saubere Trennung bei der Zwischenlagerung von Oberboden und Unterboden
  • Höhe, Form und Unterhalt von Bodendepots
  • Definition der zulässigen Maschinen (Gesamtgewicht / Bodenpressung)
  • Fachgerechte Verwertung des ausgehobenen Bodenmaterials
  • Rekultivierung

Während der Bauphase nimmt der Bodenkundliche Baubegleiter (BBB) an Bausitzungen teil und begleitet die laufenden Bauarbeiten. Zudem ist er zuständig für die Dokumentation und Information der kantonalen Bodenschutzfachstelle.

Frühzeitige Planung
Erdarbeiten sollen möglichst von Mai bis September durchgeführt werden, da die Böden im Sommerhalbjahr nach Regenfällen dank des Pflanzenwachstums schnell wieder abtrocknen. Im Winterhalbjahr muss damit gerechnet werden, dass nach Regenfällen längere Arbeitspausen notwendig sind, damit der Boden wieder genügend abtrocknen kann.

Eine Begrünung von zu befahrendem Ackerland ein halbes Jahr vor Baubeginn ist ideal, da es die Tragfähigkeit und den Wasserhaushalt des Bodens positiv beeinflusst und so hilft, Probleme wie Baustopps während der Bauarbeiten zu vermeiden.

Eine frühzeitige Information der Eigentümer und Bewirtschafter bezüglich der Auswirkungen des Bauprojektes ist wichtig. Ebenfalls hilft es, die Auflagen des Bodenschutzes bereits in den Ausschreibungsunterlagen aufzuführen. Somit können bei der Realisierung die entsprechenden Leistungen von der Bauunternehmung verlangt werden. Auch für Arbeiten, die vordergründig nicht benötigt werden, sollen Einheitspreise festgelegt werden, damit bei Bedarf auf diese zurück gegriffen werden können (z.B. Einsatz von Baggermatratzen oder Regelung von Stillstandzeiten).

Fazit
Der Bodenschutz soll für die Baubranche kein lästiges „Müssen“ sein, sondern ein weiterer Schritt in ein zukunftsorientiertes Bauen mit Rücksicht auf die begrenzten natürlichen Ressourcen. Die konstruktive, lösungsorientierte Zusammenarbeit von Bauherrschaft, Bauleiter, Bodenkundlichem Baubegleiter und den kantonalen Fachstellen sind dabei unabdingbar und ein wichtiger Faktor für eine reibungslose Bauphase und einem fachgerechten Umgang mit dem Boden.