Ausgezeichnete Architektur in Oensingen Ausgezeichnete Architektur in Oensingen

Ausgezeichnete Architektur in Oensingen

07.11.2016

Bereits zum siebten Mal hat der Solothurner Regierungsrat die «Architekturauszeichnungen Kanton Solothurn» vergeben.

Der Neubau Multifunktionshalle/Aussensportanlage, Oensingen wurde ausgezeichnet! 

 

Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Oensingen

Architektur: ffbk Architektur, Münchenstein/Basel

Bauingenieur: BSB + Partner, Ingenieure und Planer

 

Würdigung der Jury: Ein Vergleich zwischen guter Architektur und beliebten Menschen

Es gibt sie, diese Menschen: jene, die alle mögen – und zwar aus guten Gründen. Weil sie zurückhaltend sind, ohne langweilig zu sein. Weil sie immer zuverlässig sind, nie aber aufdringlich. Sie sind mutig, weil sie zu ihrer Haltung stehen. Weil sie das Gefühl von Geborgenheit vermitteln, ohne uns zu bemuttern. Weil sie in den verschiedensten Lebenslagen einfach gute Begleiter sind. Und nicht zuletzt mögen wir diese Menschen gerne, weil sie angenehm in Erscheinung treten: Sich mit ihnen zu zeigen, ist zu jedem Anlass angebracht. Ein Vergleich zwischen beliebten Menschen und guter Architektur? Er existiert.

Eine Multifunktionshalle – eine wie jene, die zwischen 2012 und 2015 in Oensingen erbaut wurde – ist so ein Beispiel. Aus der Sicht der Bauherrschaft muss sie Aufgaben erfüllen, die ihre Daseinsberechtigung weit in die Zukunft führen: Eben verlässlich muss sie sein, solide und robust. Zuweilen vielleicht sogar wandelbar. Attraktiv, aber ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Aus Sicht der Benutzerinnen und Benutzer muss sie halten, was sie verspricht: Sie muss «gäbig» sein im Umgang, unkompliziert und einfach in der Handhabung. Mit der Multifunktionshalle in Oensingen hat es die ffbk Architekten AG geschafft, all diese Eigenschaften in einem Bau zu vereinen.

Zunächst einmal ist da die zurückhaltende Erscheinung: Der Bau ist nach aussen hin eingeschossig aufgebaut, das Grau des Fassadenbetons fügt sich sanft zwischen die bereits vorhandenen grau-silbernen Kubenbauten in der nahen Umgebung. Die grossen Fenster sind reliefartig leicht nach innen versetzt. Sie ermöglichen viele Einblicke auf das tiefer liegende Spielfeld – der Aussenraum wird so zur Tribüne für die Begegnungen im Hallenraum. Im Innern wirken die grossen Fenster wie Landschaftsbilder auf der Wand – hier wird die Umgebung inszeniert und ein Bezug nach aussen hergestellt. Auch der grosse, tiefer liegende Eingang trägt zur Rhythmisierung der Fassade bei. Das flache, lange Volumen wird so immer wieder wohltuend durchbrochen. Gleichzeitig schafft er mit seinem überdachten Vorderbereich eine Begegnungszone für die Schülerinnen und Schüler.

Der Bau ist einfach – eben «gäbig» – zu handhaben: Um die Wege von Besucherinnen und Besuchern und Sportlerinnen und Sportlern zu trennen, gelangen die Sporttreibenden vom Eingang direkt über eine separate Treppe ins UG. Dort dehnen sich die Nebenräume, wie Garderoben und Nasszellen, neben der Sporthalle aus.

Zurückhaltende, auf die oben erwähnte Art gesellschaftlich relevante sowie handwerklich sorgfältige Architektur gilt es unbedingt auszuzeichnen. Denn sie ist für die nächste Generation gedacht, sie stellt sich der Zukunft – denn sie besitzt Eigenschaften, die nie aus der Mode kommen. Eigenschaften, die vor 50 Jahren beliebt waren – und es auch noch in 50 Jahren sein werden. Zeitlos eben. Zeitlos gut.

Jeder Mensch hat seine Lieblingsmenschen. Keiner von ihnen gleicht dem anderen. Sie alle sind einzigartig – und genau darum Lieblingsmenschen: weil sie Freundschaftsbedürfnisse abdecken, die ebenso individuell sind. Auch Bauten, die auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Umgebung, ihrer Benutzerinnen und Benutzer angepasst sind und die Ausgangslage optimal zu nutzen wissen, sind einzigartig. Und können für Jahrzehnte zu Lieblingsbauten werden.

Die Auszeichnung würdigt den vorbildlichen Umgang mit den Bedürfnissen der Vereine und der Schule und die architektonisch-konstruktive Umsetzung auf höchstem Niveau.